Gegen den Trend: Warum das IT-Geschäft im Mittelstand boomt

Während Branchenriesen mit Rückgängen kämpfen, wächst der SMB-Markt über sich hinaus. Warum Unternehmermut und vertrauensvolle Partnerschaften 2025 zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil werden.

iTeam Geschäftsführerbrief 05/2025

In meinem letzten Geschäftsführer-Brief aus dem Februar 2025 habe ich dafür geworben, dass wir als IT-Unternehmer Optimismus und Zuversicht vermitteln sollten, zumal „2025 aller Wahrscheinlichkeit nach wieder ein gutes Jahr für uns als IT-Dienstleister“ wird.

War das ein Irrtum? Die börsennotierten Systemhäuser Bechtle und Cancom haben jüngst für das erste Quartal 2025 Umsatz- und noch deutlichere Ergebnisrückgänge vermeldet. Doch hier lohnt ein differenzierter Blick. Bechtle und Cancom realisieren einen signifikanten Teil ihres Geschäfts mit Behörden und großen Konzernkunden – Bereiche, die aktuell tatsächlich unter Druck stehen. Demgegenüber entwickelt sich das IT-Geschäft mit kleinen und mittleren Unternehmen (SMB) viel besser als erwartet. Hier wird gezielt in IT investiert, um effizienter, resilienter und zukunftsfähiger zu werden.

Dafür gibt es meines Erachtens vor allem zwei Gründe:

Erstens: Die Mentalität im Mittelstand. Branchenübergreifend ist der Mittelstand in Deutschland oft optimistischer als Großkonzerne. Ein lesenswerter Artikel im Handelsblatt (01.04.2025) beleuchtete dies: Forschungsergebnisse zeigen, dass „Unternehmerinnen und Unternehmer im Durchschnitt optimistischer sind als andere Bevölkerungsgruppen.“ Sie sind es – im Unterschied zu Managern – gewohnt, „mit Unsicherheit umzugehen. Statt abzuwarten, würden sie alles nutzen an Mitteln und Netzwerken, was ihnen gerade zur Verfügung stehe. Die aktuellen Krisen und Umbrüche werden so nicht nur als Bedrohung gesehen, sondern auch als Gelegenheit, selbst aktiv Zukunft zu gestalten.“

Zweitens: Unser direkter Zugang zum Kunden. Als mittelständische IT-Dienstleister haben wir oft einen anderen, vertrauensvolleren Zugang zu unseren Kunden als dies in Konzernstrukturen möglich ist. Häufig sprechen wir direkt auf Geschäftsführungsebene und können so Budgets und strategische Entscheidungen aktiv mit beeinflussen. In großen Organisationen hingegen haben IT-Abteilungen nach der Budgetfestlegung oft weniger Spielraum.

Gerade dieser zweite Punkt ist für mich ein entscheidender Wettbewerbsvorteil und ein Qualitätsmerkmal für uns als IT-Dienstleister. Wenn wir unseren Job gut machen, entsteht ein tiefes Vertrauensverhältnis, das eine langfristige, vorausschauende und zielführende Zusammenarbeit ermöglicht. Unsere Kunden benötigen gerade jetzt Orientierung und Unterstützung bei der Digitalisierung – sei es zur Effizienzsteigerung, zur Abwehr von Cyberbedrohungen oder zur Erschließung neuer Geschäftsmodelle durch Technologie, und das in einer immer komplexeren Welt. Wie Nicole Bade kürzlich schrieb: Wir sind die „Lotsen digitaler Unabhängigkeit“.

Unsere eigenen Zahlen bestätigen diesen Trend: SYNAXON ist hervorragend ins Jahr 2025 gestartet. Wir konnten im ersten Quartal über alle Segmente hinweg – Handel und Services – um über 30 % zum Vorjahr wachsen. Wir haben in der Breite der SYNAXON-Partnerlandschaft ein starkes Geschäftswachstum gesehen, das sich auch für das zweite Quartal fortsetzt. Es passt ins Bild, dass das ISCM-Institut / Dr. Rudolf Aunkofer in der März-Ausgabe seines ITK-Barometers eine spürbare Abkopplung der Branche von der allgemeinen Wirtschaftsentwicklung und den besten Wert für die Geschäftserwartung seit fast zwei Jahren ermittelt hat.

Insofern bekräftige ich meine Einschätzung: „2025 wird ein gutes Jahr für IT-Dienstleister  – besonders für jene mit klarem Mittelstandsfokus.“

Und vielleicht wird es ja auch gesamtwirtschaftlich besser als erwartet. Während wir hierzulande manchmal dazu neigen, die Herausforderungen überzubetonen, lohnt sich auch ein Blick von außen: Larry Fink, CEO von Blackrock, dem weltweit größten Vermögensverwalter, beobachtet einen verstärkten Kapitalfluss nach Europa und äußert sich optimistisch über die Perspektiven unseres Kontinents. Dies sollte uns zusätzlich ermutigen.

Autor

Mark Schröder

Vorstandsvorsitzender

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