Was IT-Dienstleister vom Apothekensterben lernen sollten

Wenn Automatisierung das Kerngeschäft bedroht, entscheidet die Wandelbarkeit: Wie wir durch neue Beratungstiefe und vertrauensvolle Kundenbeziehungen unsere Relevanz im Zeitalter der KI sichern.

iTeam Geschäftsführerbrief 02/2026

In der Wochenzeitung Die Zeit (Ausgabe 05/26) las ich im Wirtschaftsteil den Artikel „Was Apotheker gegen Günther Jauch haben“.

Im vergangenen Jahr haben in Deutschland mehr als 500 Apotheken geschlossen. Insgesamt gibt es noch rund 16.000 – vor fünf Jahren waren es noch fast 19.000. Entgegen der ersten Vermutung schließen die Apotheken ihre Türen nicht nur in ländlichen Regionen, sondern zunehmend in den Großstädten.

Was hat das mit unserem Geschäft als IT-Dienstleister zu tun? Ich habe auf der SYNAXON „Start 2026“ einen Impulsvortrag mit dem Titel „2026: Mehr als Technologie – die neue Verantwortung der IT-Dienstleister“ gehalten. Darin ging es um die Veränderungen im IT-Markt und die Frage, was diese für uns als Dienstleister bedeuten. Als mir jetzt der ZEIT-Artikel in die Hände fiel, habe ich sofort Parallelen gesehen, obwohl es sich um eine völlig andere Branche handelt.

Die Parallelen in der Struktur

Dass die Anzahl der IT-Dienstleister in Deutschland sinkt, ist bekannt. Vor allem die Anzahl kleinerer Betriebe schrumpft. Die Gründe sind meist fehlende Nachfolge oder mangelnde Wirtschaftlichkeit – wobei Letzteres oft die Ursache dafür ist, dass sich kein Nachfolger findet.

Auch viele Apotheker finden heute niemanden mehr, der den Betrieb übernehmen möchte. „Früher waren Apotheken Goldgruben“, berichtet ein Apotheker im Artikel. Aufgrund stark gestiegener Kosten bei gleichzeitig unveränderten Honorarsätzen ist das heute nicht mehr der Fall.

Unser „Honorar“ als IT-Dienstleister in Form von Stundensätzen steigt zwar noch, aber faktisch nur auf Inflationsniveau. Im Managed-Services-Bereich sehen wir sogar, dass die Preise bei steigender Leistung stagnieren oder unter Druck geraten (siehe hierzu den aktuellen SYNAXON IT-Servicepreisspiegel 2026).

Veränderungen des Branchenumfelds

Die Welt der Apotheken hat sich durch das E-Rezept radikal verändert. Seit 2024 können verschreibungspflichtige Medikamente einfach nach Hause gesendet werden. Apotheken erleben gerade den „Jauch-Moment“, wie es die ZEIT bezeichnet: Günther Jauch macht Fernsehwerbung für das Unternehmen „Shop-Apotheke“ und erklärt Millionen Menschen, wie einfach der digitale Weg ist. Das Ergebnis: eine Umsatzverdopplung mit rezeptpflichtigen Medikamenten auf 500 Mio. EUR in nur einem Jahr. Ein 25 Jahre altes Unternehmen startet erst jetzt richtig durch, weil die digitale Barriere gefallen ist.

Unsere Branche erlebt gerade einen KI-Moment. Unabhängig davon, ob man es für eine Hype-Blase hält: KI verändert unser Geschäft nachhaltig und schnell. 88 % der von uns befragten IT-Dienstleister nutzen KI bereits täglich. KI und Automatisierung sind die Treiber für Effizienz – aber sie bringen auch Druck auf die Preispunkte im MSP-Geschäft. Dabei müssen wir wachsam sein: Der ein oder andere Hersteller träumt mit Sicherheit schon davon, das MSP-Geschäft über die eigene Software vollständig zu automatisieren. Das wird zu neuen Angeboten und Wettbewerbern führen, die versuchen, den klassischen Dienstleister zu umgehen. Diese Trends müssen wir bei der strategischen Entwicklung unserer Unternehmen berücksichtigen.

Anpassung des Geschäftsmodells

Moderne Apotheken passen sich an: Die Medikamentenausgabe erfolgt dort zunehmend über Roboterarme. Das spart Zeit. Die Mitarbeiter nutzen diese Freiheit für einen echten Gesundheitsbeitrag: Impfungen, Blutdruckmessungen oder Gesundheitsberatung. Das sind Leistungen, die eine Versandapotheke nicht bieten kann und die heute eher noch beim Arzt verortet werden.

Auch der IT-Channel wird sich an sein neues Umfeld anpassen. Ich bin mir sicher, dass iTeam in vielen Fällen wieder vorangehen wird. Interessant ist: 58,8 % der im Servicepreisspiegel befragten Unternehmen mit mehr als 50 Mitarbeitern (eine Gruppe, die in der iTeam stark vertreten ist) sehen den „Umbau des Geschäftsmodells“ als ihre größte Herausforderung an. In kleineren Unternehmen taucht dieser Punkt nicht einmal in den Top 3 auf – vermutlich, weil dort die operative Auslastung noch den Blick auf die stattfindende strategische Veränderung verstellt.

Fazit

Nahezu alle Branchen verändern sich gerade stark. Die Parallelen sind offensichtlich. Wie sich unser Geschäft mit KMU-Kunden verändern könnte, habe ich auf der „Start“ vorgestellt. Meine Hypothesen könnt ihr nachlesen:

­Hier geht’s zum Download

­Meine persönliche Überzeugung ist, dass wir auch bei den bestehenden Veränderungen im Markt unsere Relevanz behalten. Richtig eingesetzt ersetzen uns KI und digitale Plattformen nicht, sondern machen uns leistungsfähiger, weil sie uns Zeit für den Ausbau der vertrauensbasierten Kundenbeziehung geben. In einer neuen Rolle als Wegbereiter können wir uns viel intensiver um den Kunden, sein Geschäftsmodell, seine Wirtschaftlichkeit und letztlich seine digitale Zukunft kümmern.

Autor

Mark Schröder

Vorstandsvorsitzender

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