Schloß Holte-Stukenbrock, Januar 2026 – In der IT-Branche ist kontinuierlicher Wandel Teil des Tagesgeschäfts. Aktuell verdichten sich jedoch technologische, regulatorische und organisatorische Veränderungen in besonderem Maße. Der Umstieg auf Windows 11, der zunehmende Einsatz Künstlicher Intelligenz, neue Vorgaben wie NIS-2 sowie steigende Anforderungen an die IT-Security erhöhen den Druck auf IT-Dienstleister spürbar. Diese Entwicklung führt jedoch nicht zwangsläufig zu deutlichen Preiserhöhungen.
„Trotz wachsender Herausforderungen ist die Preisentwicklung wider Erwarten sehr moderat ausgefallen – wenn auch nicht in allen Bereichen“, bewertet Friedrich Pollert, Leiter der SYNAXON Akademie, die zentralen Ergebnisse des IT-Servicepreisspiegels 2026 (vgl. S. 10–11, Grafik 1). Dass die erhobenen Werte gut mit den Vorjahren vergleichbar sind, zeigt sich auch in der Auswertung der Kundensegmente, denn die Zusammensetzung und Struktur der teilnehmenden Unternehmen entsprechen weitgehend denen der letzten Ausgabe (S. 8-9, Grafik 2). „Dennoch zeigt der neue IT-Servicepreisspiegel 2026, an dem sich mehr als 700 Systemhäuser beteiligt haben, wieder sehr spannende Entwicklungen auf – vor allem im Bereich der Künstlichen Intelligenz“, so Pollert.
Künstliche Intelligenz ist angekommen – auch im Leistungsportfolio vieler Systemhäuser
Nach der sogenannten „Chefarztbehandlung“, also Beratung und Service durch den Geschäftsführer, ist die neue Beratungsleistung im Bereich Künstliche Intelligenz direkt als zweitteuerster Stundensatz in den Preisspiegel eingestiegen – noch vor Datenschutz- oder klassischen IT-Security-Beratungsleitungen (S. 11, Grafik 3).
Diese Entwicklung deckt sich mit den Ergebnissen zur erwarteten Auswirkung von KI auf das Geschäftsmodell (S. 30, Grafik 4). Während im Jahr 2023 noch 41,7 Prozent der Teilnehmer davon ausgingen, dass KI keine Auswirkungen auf ihr Geschäftsmodell haben werde, sind es 2025 nur noch 17,3 Prozent. Gleichzeitig gilt: Je kleiner das Unternehmen, desto geringer werden die Auswirkungen aktuell noch eingeschätzt. Parallel dazu zeigt sich: Je größer das Unternehmen, desto mehr werden KI-Tools bereits regelmäßig genutzt (S. 32, Grafik 5).
„KI ist gesetzt. Das Potenzial ist nicht mehr am Horizont zu suchen, wenn es täglich erlebbar ist. Das Spiel hat sich längst verändert – jetzt sind Systemhäuser gefordert, mitzuhalten“, sagt Jonathan Seifert, Customer Relationship Manager bei der SYNAXON Akademie, der vor drei Jahren die KI-Fokusgruppe für SYNAXON-Partnern gründete und seitdem erfolgreich leitet (S. 31).
Auch Stefan Schwarz, SYNAXON-Partner, Geschäftsführer PC-Mentor und AI-Consultant (TÜV), plädiert für den kombinierten Einsatz von KI und Automatisierung (S. 34): „In 12 bis 24 Monaten reden wir nicht mehr über KI-Projekte, sondern über normalen Betrieb. Wer diese Schicht jetzt einzieht, baut sein Geschäft belastbar aus. Wer wartet, skaliert nur seine Probleme. Am Ende geht es nicht darum, ob wir KI einsetzen, sondern ob wir noch relevant sind, wenn sie Standard geworden ist.“
Servicepreisentwicklung bleibt zurückhaltend – Struktur und Region als entscheidende Faktoren
Die Auswertungen zeigen, dass sich das Preisniveau weiterhin differenziert entwickelt:
- Knapp zwei Drittel der IT-Dienstleister planen, ihre Servicepreise zu erhöhen, während 35,8 Prozent keine Anpassungen vornehmen will (S. 15, Grafik 6); viele Erhöhungen, die zum Zeitpunkt der Erhebung des IT-Servicepreisspiegels 2025 in Planung waren, werden bislang nur zurückhaltend umgesetzt
- Größere Unternehmen erzielen höhere Preise als kleinere Anbieter (S. 17, Grafik 7)
- Regional liegen die Preise in den neuen Bundesländern am niedrigsten (S. 18, Grafik 8)
- International zeigen sich höhere Preisniveaus in Österreich (S. 19)
Umsatzwachstum vor allem durch Managed Services aber auch durch Hardware-Umsätze
Im aktuellen Geschäftsjahr (S. 22, Grafik 9) berichten viele Unternehmen von einem stärkeren Umsatzanstieg als im Vorjahr. Ein Treiber ist unter anderem der Windows-11-Umstieg, der den Prozentsatz für Hardware-Umsätze von 17,1 Prozent auf 39,7 Prozent steigerte (Vgl. IT-Servicepreisspiegel 2025, S. 24 und IT-Servicepreisspiegel 2026, S. 22). Dennoch bleibt der unverändert stärkste Wachstumsmotor das Angebot von Managed Services mit 57,6 Prozent (S. 22, Grafik 10).
Die Mitarbeiterzahlen sind hingegen nur geringfügig gestiegen – ein Hinweis auf Effizienzgewinne, Automatisierung und veränderte Service-Modelle (S. 24, Grafik 11).
Neue unternehmerische Herausforderungen rücken in den Fokus
Bei den unternehmerischen Herausforderungen (S. 26, Grafik 12) zeigt sich ein klarer Wandel. Der zunehmende Aufwand für komplexe administrative Tätigkeiten (44,5 Prozent) hat den Fachkräftemangel (42,2 Prozent) als größte Herausforderung abgelöst. Neu hinzugekommen ist die Rubrik Innovationsdruck, die viele Unternehmen überraschend stark beschäftigt (35,1 Prozent).
Die Gewichtung der Herausforderungen unterscheidet sich deutlich nach Unternehmensgröße (S. 27, Grafik 13). Während Einzelunternehmer viele Themen als gleichermaßen kritisch bewerten, steht bei Unternehmen mit 5 bis 49 Mitarbeitern der Fachkräftemangel weiterhin klar im Vordergrund. Bei Unternehmen mit mehr als 50 Mitarbeitern ist mit 58,8 Prozent der Umbau des Geschäftsmodells die größte Herausforderung.
Managed Services: Verträge und gleichbleibende Herausforderungen
Im Bereich Managed Services für gewerbliche Kunden zeigt sich: 58,4 Prozent der Unternehmen betreuen noch immer Kunden ohne festen Vertrag und haben nicht vor, dies zu ändern (S. 39, Grafik 14). Systemhäuser stehen also vor ungenutztem Potential für planbare, wiederkehrende Umsätze.
Die Herausforderungen für Managed Service Provider haben sich in den vergangenen Jahren nur geringfügig geändert. Unveränderter Spitzenreiter ist noch immer die Automatisierung mit 54,3 Prozent, dicht gefolgt von der Abrechnung und dem Vertrieb von Managed Services (S. 42, Grafik 15). Weiterhin gibt der IT-Servicepreisspiegel auf den Seiten 45 bis 47 einen Einblick in die Preise einzelner Managed Services sowie über die eingesetzte Software.
IT-Security und Open Source: steigende Anforderungen, neue Chancen
Mit Blick auf Technologien und Rahmenbedingungen zeigt sich insbesondere auf Kundenseite ein wachsender Investitionsbedarf. Damit einhergehend planen viele Systemhäuser die Einführung zusätzlicher Security-Technologien (S. 51, Grafik 15). Diese spielen vor allem im Zusammenhang mit einer ISO-27001-Zertifizierung oder der Umsetzung von NIS-2 eine Rolle. Dadurch eröffnet sich für IT-Dienstleister relevantes Geschäftspotenzial, da sie ihre Kunden bei Planung, Umsetzung und Betrieb unterstützen können. Förderprogramme bieten dabei zusätzliche Ansatzpunkte, um notwendige Security-Investitionen wirtschaftlich attraktiver zu machen bzw. die Entscheidung für den Auftrag schneller herbeizuführen.
Erstmals wurde zudem der Einsatz von Open-Source-Lösungen systematisch erhoben (S. 73, Grafik 16 und 17). Fast die Hälfte der Befragten setzt Open Source bereits bei Kunden ein, allerdings meist ohne eigene Entwicklerkapazitäten. Haupttreiber sind Kostenvorteile, gefolgt von dem Wunsch nach digitaler Souveränität und größerer Herstellerunabhängigkeit.
Cloud, IaaS und eigene Rechenzentren gewinnen weiter an Bedeutung
Parallel dazu entwickelt sich das Infrastrukturangebot weiter. Mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen baut ihr Angebot im Bereich Infrastructure-as-a-Service aus, während kleinere Anbieter diese Leistungen bislang seltener abdecken (S. 76). Insgesamt zeigt sich ein klarer Trend hin zu eigenen Produkten und Services aus dem eigenen Rechenzentrum, deren Bedeutung zuletzt weiter zugenommen hat (S. 77).
Fazit und Ausblick
Der IT-Servicepreisspiegel 2026 zeigt eine Branche im Spannungsfeld aus steigender Komplexität, technologischer Transformation und vergleichsweise moderater Preisentwicklung. Während klassische Servicepreise nur zurückhaltend wachsen, verschieben sich Wertschöpfung und Nachfrage zunehmend in Richtung Managed Services, Künstliche Intelligenz und Security-nahe Leistungen. Der Preisspiegel liefert IT-Dienstleistern damit nicht nur eine fundierte Marktübersicht, sondern auch eine belastbare Entscheidungsgrundlage für die strategische Weiterentwicklung ihres Leistungsportfolios in einem weiterhin anspruchsvollen Marktumfeld.
